Untersuchen wir den Fall des Herrn "Reich" mit 10 Mio. DM Einkünften aus Kapitalvermögen (im steuerrechtlichen Sinn) und unterstellen, er hätte diese 10. Mio. DM als Dividende von BASF für das Jahr 1998 erhalten. Dass es einige solch hoher Einkünfte aus Kapitalvermögen in Deutschland gibt, wissen wir vom Statistischen Bundesamt. Nach dem Geschäftsbericht von BASF für 1998 wurden je Aktie 2,2 DM Dividende ausgeschüttet. Herr Reich hatte folglich etwa 4.545.454 BASF-Aktien. Dies entspricht einem Anteil von rund 7,3 Promille des gesamten BASF-Aktienkapitals. Zudem gab es zum 31.12.1999 bei BASF 105.945 Mitarbeiter. Auf Herrn Reich entfallen folglich rund 779 Mitarbeiter. Das ist in meinen Augen schon Feudalismus pur. Prüfen und rechnen Sie nach, wenn Sie es nicht glauben! Geht man vom Aktienkurs Ende 1998 von etwa 33 Euro aus, so hatte Herr Reich 150 Mio. Euro Aktienkapital. Wenn man also vorsichtig einen Schnitt bei 50 Mio. DM vorschlägt, dann bleibt Herr Reich immer noch Herr über 130 Knechte. Das war nur eine statische Betrachtung. Hinzu kommt eine dynamische Betrachtung: Die 10 Mio. DM werden wieder möglichst gewinnbringend angelegt. Rechnen Sie selbst nach, wie viele Knechte Herr Reich nach 15 Jahren hat, wenn er - bei sonst gleichen Bedingungen, wie die Volkswirte gerne immer betonen - wieder in BASF-Aktien anlegt! Ziehen Sie aber vorher immer 43% Einkommensteuern (so viel ist das laut Statistischem Bundesamt bei den Reichen im Schnitt) und ein paar Mark für die private Lebensführung ab!
Die Kapitaleinkünfte eines einzigen (!) derart superreichen Steuerpflichtigen entsprechen leicht dem ausgeschütteten Gewinn eines Unternehmens, den dort mehrere Hundert oder Tausend "Beschäftigte" erwirtschaftet haben.