Darlehen

Man könnte behaupten, dass die superreichen Leute wie Johanna Quandt ihr frisch "verdientes" Geld über die Bank verleihen und dass deshalb die Geldumlaufgeschwindigkeit ebenso schnell sei, wie wenn dasselbe Geld von vielen weniger Reichen "verdient" und in Umlauf gebracht werde. Das ich nicht richtig.

Vorweg: Die Darlehensauszahlung und -rückzahlung als solche hat keine Bedeutung für die Geldumlaufgeschwindigkeit. Wichtig an der Geldumlaufgeschwindigkeit ist ihre Bedeutung für den Güterverkehr.

1. Betrachten wir zuerst den Darlehensnehmer näher:

Richtig an dem Argument ist, dass der Darlehensnehmer das geliehene Geld für Güter ausgibt und damit Umsatz (= Geldfluss) und Güterverkehr erhöht. ABER! Der Darlehensnehmer muss/will das Darlehen irgendwann wieder zurückzahlen. In dem Zeitpunkt, wo er zurückzahlt, kann er gerade keine Güter mehr erwerben, obwohl er jetzt Geld erwirtschaftet und nicht nur ausgeliehen hat. Wie es halt das Wesen des Darlehens ist: Es erhöht die Finanzkraft des Darlehensnehmer nicht wirklich, sondern nur scheinbar. Das Umsatzplus der Wirtschaft heute wird quasi von der Zukunft geliehen.  

Hier kann man freilich unterscheiden, ob der Darlehensnehmer das Darlehen (für Investitionen) so nutzt, dass er künftig höhere Einnahmen erwirtschaftet, oder ob er es verkonsumiert.  

Konsumiert er, so ist das Umsatzplus durch ihn heute betragsmäßig so hoch wie das Umsatzminus durch ihn morgen, wenn er das Darlehen zurückzahlt. Wegen der Zinsen ist das Umsatzminus sogar größer als das anfängliche Umsatzplus. Gerade die massenhaften Konsumkredite heute prägen unsere Wirtschaft (oder unsere Wirtschaftsflaute?!)  

Bei Darlehen, die für Investitionen genutzt werden, will der Unternehmer trotz Zinsen höhere wirtschaftliche Leistungsfähigkeit (höheren eigenen Umsatz) erzielen. Auch er muss das Darlehen wieder zurückzahlen. Das Darlehen wirkt ähnlich einem Katalysator - falls die Rechnung aufgeht. (Bei der Philipp Holzmann AG wirken die Darlehen heute verheerend.)  

Beim Blick auf die verschiedenen Darlehensnehmer ist also nicht erkennbar, dass der Geldumlauf - bezogen auf den Güterverkehr - gefördert wird, wenn man die gesamte Darlehenslaufzeit im Auge behält, und nicht nur den Dalehensbeginn.  

2. Betrachten wir nun den superreichen Darlehensgeber:  

Solange sein Geld verliehen ist, bringt er selbst es freilich nicht ist den Geldumlauf des Güterverkehrs.  

Er bekommt das Geld wohl irgendwann zurück. Dann steht er (besser: dann stehen wir) vor dem Problem wie vor der Darlehensgewährung, das Geld in den Wirtschaftskreislauf zu bringen: Er kauft für sich eben nicht 100.000 Brötchen am Tag, bestellt für sich nicht 100.000 mal den Rechtschreibduden, geht nicht 100.000 mal im Monat zum Frisör usw. usf. Er kauft sich vielleicht für 20 Millionen Euro ein Gemälde - natürlich von einem anderen Superreichen. Am liebsten kauft er weitere gute Aktien oder Mietshäuser (falls gute Aktien oder Mietshäuser überhaupt noch zu einem akzeptablen Preis zu bekommen sind - womit wir beim Kernproblem des modernen Feudalismus wären!).  

200.000.000 Euro Einkommen am Beginn eines Jahres bei 1 Privatperson sorgen also niemals für 50 x 200 Mio. Euro Bruttosozialprodukt, so, wie es aber 20.000 Euro (zusätzliches!) Einkommen am Beginn eines Jahres bei 10.000 Privatpersonen tun würden. Letzterenfalls werden aus 20.000 Euro zusätzlichem Einkommen bei 10.000 Menschen im Laufe eines Jahres 20.000 Euro zusätzliches Einkommen bei 50 x 10.000 = 500.000 Menschen, mithin 10.000.000.000 Euro Bruttosozialprodukt.  

3. Nach alledem meine ich, dass Vermögens- und damit Geldkonzentrationen bei wenigen Privatpersonen die Geldumlaufgeschwindigkeit reduzieren und damit der Volkswirtschaft schaden.  

Um nochmals mit dem Bild vom Nil in der Wüste zu sprechen:  

Man braucht gar nicht viel Geld, um eine stockende Wirtschaft wieder zum Laufen zu bringen. Denn das Geld verbraucht sich nicht, wenn es im Tausch gegen Güter von einem zum anderen gegeben wird. Das Geld wird immer wieder weiter gegeben. Fließt es aber immer mehr in einem Kanal gleich einem Nil zusammen, dann kann es das Land drumherum nicht mehr bewässern.  

 

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