Wirtschaftswachstum

Vielfach wird argumentiert, die Misere wäre behoben, wenn es genügend Wirtschaftswachstum gäbe. Dieser Gedanke trifft jedoch nicht zu. Was genau meinen wir mit: "Die Wirtschaft wächst"? Wenn wir nur einmal schauen, wie seit beispielsweise 1960 die Aktienkurse (oder DAX und dergleichen) gestiegen sind, können wir in der Tat sagen, dass die Wirtschaft gewachsen ist. Zeitweise gab es freilich auch Über- und Unterbewertungen. Wodurch sind die Unternehmen gewachsen? Sicher in erster Linie durch die Arbeit der Menschen, die für jene Unternehmen tätig waren. Wer hat von den Kursentwicklungen profitiert? Die Aktionäre natürlich - nicht durch eigene Arbeit, sondern durch Besitz. Gegen diesen Mechanismus ist im Grunde auch nichts einzuwenden.

Wenn man, wie es manche tun, den Zuwachs des "Volksvermögens" insgesamt auf die Bevölkerung (statistisch) umlegt, um behaupten zu können, dass es in Deutschland doch immer weiter aufwärts geht, wird man das Problem hier nicht erschließen können.

Volkswirtschaftler bemessen Wirtschaftswachtum am Bruttosozialprodukt. Sie meinen, dass durch die zunehmende Automatisierung der Arbeitswelt Arbeitskräfte freigesetzt werden und dass die Verhinderung von Arbeitslosigkeit wirtschaftliches Wachstum "voraussetzt". Hier wird ein Kausalzusammenhang suggeriert, der so nicht existiert. Wachstum hat nicht das Sinken der Arbeitsloskeit zur Folge. Wachstum ist vielmehr selbst (auch) eine Folge vom Sinken der Arbeitslosigkeit. Das Wachstum des Sozialprodukts ist daher bestenfalls ein Indikator. Besser zählt man aber die Arbeitslosen direkt.

Das Wirtschaftswachstum fördert aber nicht die Bevölkerung insgesamt, sondern vor allem die Reichsten unter uns. Es fördert den modernen Feudalismus, den es zu verhindern gilt.

 

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