welt am Draht

Hinterglasmalerei  

  Fride Wirtl-Walser


In den vergangenen Jahren konnte man feststellen, dass das Hinterglasbild immer mehr Freunde fand, dass es nicht nur von Sammlern gesucht zu einem immer teureren Objekt des Antiquitätenhandels wurde, sondern dass auch manch einer sich für die Technik der Hinterglasmalerei interessierte und selbst begann "hinter Glas zu malen". Diese Zusammenstellung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, einzelne Aspekte dieser Maltechnik und ihrer Geschichte werden herausgegriffen und erklärt.


 

Ädikula    
Arbeitsablauf    
Acrylglas    
Glas    
Glashütten    
Glasmalerei    
Goetheglas    
Historie    
Maltechnik    
Malerdörfer    
Ochsengalle    
Pinsel    
Riss    
Verderber, Johann    
Vergoldung    


Ädikula

Ein Großteil der Hinterglasbilder, sowohl die volkstümlichen, wie auch die der in städtischer Manier gemalten zeigt als besonderes Kompositionselement eine Einrahmung der dargestellten Szene. Die in der Renaissance wieder häufig verwendeten, archaische Ädikulaform (in der Antike Wandnische für Götterbilder mit Giebel und flankierenden Säulen) ist eine beliebte Ornamentform der frühen volkstümlichen Hinterglasbilder.



aedikula
Ädikula

 

Arbeitsablauf

Zunächst beginnt man mit dem Auftragen der feinen Risslinien mit wässriger Dispersion. Volkstümliche Bilder wurden in so großen Serien gemalt, dass sich in der damaligen Praxis das rationellste Vorgehen bei der Reihenfolge der Farbschichten entwickelt hat. Das Konturengerüst besteht selten nur aus schwarzen Umrandungen, am ehesten findet man das bei Bildern aus Siebenbürgen. Bei den bayrischen und oberösterreichischen Bildern dagegen hatte ein Riss mindestens vier bei durchschnittlich sieben und mehr Farben. So malte man beispielsweise in Sandl die Umrisslinien der Körperteile in Rot, die Schattierungen unter den blauen und grünen Farbflächen waren schwarz, unter der roten Farbe waren sie sepia und weiß. Die Falten der weißen Gewänder waren meist in hellem Blau gehalten. Es gab noch schwarz-grüne oder schwarz-blaue Fiederblätter. Attribute, Schleier, Kragen und Ärmelränder waren mit Flüssiggold gemalt. Das hier geschilderte Verfahren lässt sich natürlich ebenso gut bei jeder modernen Bildkomposition anwenden.

Die Goldlinien der Heiligenscheine, Schnörkel und Sterne auf den alten Bildern waren mit wasserlöslichem Flüssiggold immer so dünn aufgetragen, dass man die Pinselspuren sehen kann und die dahinter gemalte Farbe durchschimmert. Der nächste Arbeitvorgang sind nun die Umrisslinien aller Körperteile, das sogenannte Inkarnat. Der Farbton dieser Linien unterscheidet sich in den verschiedenen Malerlandschaften und ist somit eine wichtiges Kriterium zur Herkunftsbestimmung eines Bildes. Die Abstufungen reichen von einem matten Zinnober in Schlesien, einem brauen Ton in Oberammergau bis hin zum Schwarz der späten Raimundsreuter Bilder. Als nächstes folgen die schwarzen, deckend aufgetragenen Umrandungen, die in den meisten Fällen den wesentlichen Anteil des Bildgerüstes darstellen. Alle noch folgenden Risslinien, das Weiß in Schattierungen, und Schriften, das Blau unter den weißen Gewändern sowie die blauschwarze Farbe der Fiederblätter sind ebenfalls transparent aufgemalt. Dann folgt zunächst die Vergoldung (s. Abschnitt Vergoldung).

Nun werden die vorgegebenen Konturen mit Ölfarbe gefüllt. Man beginnt mit den voraussichtlich schwierigsten Bildteilen, den Körperteilen. Bei den früheren Hinterglasmalern hießen sie "Inkarnat" oder die "Leibfarb". Dann folgen die Haare, danach die Gewänder. Beim Ausmalen der Deckflächen, besonders aber der Schattierungen, kontrolliert man das Gemalte zwischendurch immer wieder von der Vorderseite. Vor dem Streichen des Hintergrundes sollte man das bisher Gemalte einen Tag trocknen lassen. Der Hintergrund wird nie über das ganze Bild gestrichen, da es — vor allem bei dunklen Hintergründen — sonst leicht zu Farbtonveränderungen kommen könnte.

 

Acrylglas

Ist durch seine Elastizität fast unzerbrechlich, aber seine weiche Oberfläche kann leicht zerkratzt und blind werden. Glasähnlich ist nur seine Durchsichtigkeit, es fehlt ihm jedoch die bestechende flirrende Brillanz und Härte der Glases.

 

Glas

Der am häufigsten verwendete Bildträger. Auch unter der Bezeichnung Fensterglas oder Floatglas bekannt, mit einer Stärke von 2 mm. Für Bilder ab einer Kantenlänge von 40 cm ist eine Stärke von 3 mm empfehlenswert.

Am Schönsten sind unbestritten alte, mundgeblasene Scheiben, die sich noch ab und an in alten, abbruchreifen Häuser befinden.

 

Glashütten

Die Geschichte der Hinterglasmalerei war bis zum letzten Jahrhundert eng verbunden mit dem Standort der Glashütten und der jeweiligen technischen Entwicklung der Glaserzeugung. So wie die Glasmacherkunst vor 2000 Jahren aus dem östlichen Mittelmeerraum über Rom und Venetien an den Rhein kam, finden sich auch die frühen erhaltenen Beispiele in Hinterglastechnik zur selben Zeit in den gleichen Landschaften.

 

Glasmalerei

Technik der Flachglas- und Hohlglasbemalung mit Schmelzfarben, die mit einem Haftmittel kalt aufgetragen, dann bei Temperaturen mit dem Glas verschmolzen werden. Glasmalerei kommt nur im Fenster, also im durchscheinenden Licht zur Geltung, die Hinterglasmalerei entfaltet ihren Reiz in den Brechungen des auffallenden Lichts. Es sind Bilder mit lichtundurchlässiger Rückwand.

 

Goetheglas

Altes Herstellungsverfahren, ist wegen der Handarbeit ein teures Flachglas. Wird in ca. 70 x70 cm großen Tafeln geliefert.

 

Historie

Zu den frühesten Arbeiten der Hinterglastechnik zählen die Zwischengoldgläser, die "Fondi d'oro", aus dem 1. Jh. v. Chr. in Syrien bekannt und in Rom im 3. und 4. Jh. n. Chr. zur Blüte gebracht.

Auf dem Glas wurde eine Blattgoldfolie fixiert, das Motiv ausgekratzt und mit einer Schicht pulverisierten Glases bedeckt und Brennofen geschmolzen, so dass die Goldradierung zwischen zwei Glasschichten lag. Etwa ab der Mitte des 3. Jh. n. Chr. entstanden kleine Medaillons mit schwach gewölbter Oberseite, die rückwärtig mit Blattgold und gelegentlich auch partiell mit Blattsilber belegt wurden. In diese Schicht wurde mit einer sehr feinen spitzen Nadel die Darstellung eingekratzt und anschließend mit einem dunklen — schwarzen bis blauen — Ton hinterlegt. Auch diese Schicht wurde wieder radiert und die freigewordenen Stellen erneut mit Gold hinterlegt. Das erstaunliche an diesen Radierungen sind ihre fast unglaubliche Feinheit.

Mitte des 13. Jh. findet man die erste mittelalterlichen Hinterglasmalereien, z.B. kleine Einlegetäfelchen in der Domkanzel von Siena. In Italien, in den Landschaften zwischen Umbrien und der Toskana bis nach Venetien weitet sich die bisher vereinzelte Hinterglasmalerei im 16. Jh. zu einer ersten seriellen Fertigung aus. Die frühesten Hinterglasarbeiten in Deutschland stammen aus dem Kloster Doberan an der mecklenburgischen Ostseeküste, sie stammen vermutlich aus den Jahren zwischen 1326 und 1329. Aus dieser Klosterwerkstatt stammt auch das Rostocker Altärchen.

Im 15. und 16. Jh. wird die Hinterglasmalerei immer beliebter, die Meister werden immer einfallsreicher und besser mit der Maltechnik vertraut, es entstehen erste Zünfte. Mit dem Beginn der Renaissance vollzieht sich ein Wandel in der malerischen Auffassung, die Bilder verlieren ihren flächig-graphischen Charakter und werden immer malerischer und plastischer ausgeführt. In den Jahren um 1600 erreicht die Hinterglasmalerei einen eindrucksvollen Höhepunkt. Die Bilder entstehen inzwischen nicht mehr im Dienste der Klöster und Kirchen. Die interessantesten Arbeiten aus dieser Epoche sind vielmehr prächtige Einzelstücke, Gemälde wie auch Pokale, Schalen, Becher, die von schweizerischen, italienischen und süddeutschen Meistern für die Schatzkammern von Fürsten angefertigt wurden. Alttestamentarische Themen liefern einen willkommenen Anlass zur Darstellung subtilster Frauenakte und prunkvoll gestalteter Interieurs.

Der 30 jährige Krieg brachte veränderte Lebensumstände. Die Hinterglasmalerei ist über weite Teile Europas verbreitet, in unterschiedlichen Kulturlandschaften ergibt sich ein mehr oder weniger einheitliches Bild. Die spezifischen maltechnischen Besonderheiten, die dem Bildträger Glas als durchsichtigem Werkstoff entsprechen, gehen bis auf einige Ausnahmen verloren. Typische Bilder auf Glas blieben die Goldradierungen und die im Rokoko immer beliebter werdende Malerei vor Spiegelhintergrund.

Durch die verbilligte Glaserzeugung und erste Serienherstellung in städtischen Werkstätten im 18. Jahrhundert bleibt das Hinterglasbild nicht mehr nur den Kirchen und dem Adel vorbehalten, fortschreitend gewinnt es weitere Abnehmerkreise. Nordböhmische und Augsburger Werkstätten exportierten Bilder bis nach Amerika, Russland, China und Indien, wo ihrerseits Werkstätten für die Hinterglasmalerei entstanden. Die zwei wichtigsten Strömungen in der Hinterglasmalerei teilen sich im 18. und 19. Jahrhundert in "hüttengewerblicher" und "malerhandwerklicher" Manier.

Die in städtisch-bürgerlicher Weise gemalte Bilder, die "Malerhandwerklichen" aus allen Werkstätten Mitteleuropas ähneln sich so sehr, dass es nur Fachleuten möglich ist, sie zu unterscheiden. Die Bildthemen richten sich nach dem Zeitgeschmack, wobei allerdings landschaftsgebundene Eigenarten und Vorlieben anzutreffen sind. Die zunftgebundene Augsburger Hinterglasmalerei mit ihrem "Augsburger Werkstattstil" war eine konturenlose reine Ölmalerei, die mit ihren Schattierungen und Modellierungen einen räumlich-plastischen Eindruck wiedergeben sollte.

Im Gegensatz dazu wurden die "hütten-" und "hausgewerblichen" Bildern der Volkskunst, die im Umkreis der Glashütten in Böhmerwald und im Bayerischen Wald entstanden, in der Wasser-Öltechnik (Umrisslinie mit wässriger Leimfarbe, Deckflächen in Ölfarben) gemalt. Die hüttengewerblichen Maler waren Handwerker, die möglichst viel produzieren und verdienen wollten. Die in der Stilkunst gemalten Bilder brachten mehr Arbeit als die Konturenbilder, wurden aber auch teurer verkauft und hatten eine andere Abnehmerschicht.



huettengewerblich

Hüttengewerblich

malerhandwerklich

Malerhandwerklich

 

Maltechnik

Für die Serienherstellung der volkstümlichen Bilder hat sich über einen Jahrhunderte langen Erfahrungszeitraum als günstigstes Verfahren eine Zweiteilung im Arbeitsablauf erwiesen. Das Malen des Risses mit wasserlöslichen Farben, daraufhin die Flächenfüllung mit Ölfarben. Von den hausgewerblichen Malern des Bayerischen- und Böhmerwaldes ist überliefert, dass sie ihre Pigmente für den Riss mit Gummi arabicum oder Hausenblasenleim anrieben. Der Vorteil dieser Leimfarbe lag bei einem sehr fein zu malenden elastischen Auftrags, der sofort trocknete, so dass ohne Aufenthalt mit Ölfarbe weitergemalt werden konnte. Die Ölfarbe ist das einzig Farbmittel, das die wässrigen Linien nicht wieder auflöste und verschmierte. Sie ermöglicht durch ihre längere Trockenzeit das feine Ausschattieren und gab als rückwärtiger Abschluss dem Bild eine bessere Haltbarkeit.

Heutzutage bieten sich anstelle des umständlich zuzubereitenden Gummi arabicums die Acryl- Mattfarben an.

 

Malerdörfer

In der Nähe der Tafel- und Spiegelhütte Schönbrunn im Bayerischen Wald wurden im 17. Jahrhundert acht Häuser gebaut, nach dem Vornamen des Bischoffs von Passau nannte man den Ort Raymundsreut. Die bedeutendste Hinterglasmaler-Familie wurden die Peterhansl mit sieben Malermitgliedern und Schwägern. Aus der Zeit der größten Bildererzeugung in den Jahren um 1830 sind ganz unglaublich anmutende Produktionszahlen überliefert: die fünf Glastafelmaler mit ihren drei Gesellen fertigten jährlich 30-40.000 kleine Hinterglasmalereien.



raymundsreuth

Raymundsreuth

In den Notzeiten der 70ger Jahre des 18. Jahrhunderts ließen sich Glastafelmaler aus Schlesien und Nordböhmen in der Nähe der Hütte "an der Schanz" in der südböhmischen Ortschaft Buchers nieder, um hier ihr Auskommen zu finden. Ihre Erzeugnisse, die durch welschtiroler Hausierer in weitem Umkreis auf Jahrmärkten, Kirchweihen und Wallfahrten vertrieben werden, fanden bald guten Absatz.

Um 1800 verzog der Glasbildermaler Franz Pautsch aus Buchers mit zwei Gesellen in das nahe der Grenze gelegene Sandl.

Obwohl aus anderen Malerdörfern schon unvorstellbar hohe Produktionszahlen überliefert sind scheint doch Sandl in den folgenden 60 Jahren an der Spitze der Erzeugerstätten zu sein. Es wurde so bekannt, dass im östlichen Österreich der Begriff "Sandlbilder" gleichbedeutend für Hinterglasbilder jeder Art wurde. Auch heute noch gilt das Sandlbild als der Typus des bäuerlichen Hinterglasbildes. Es ist das in wenigen kräftigen Farben gemalte Heiligenbild, seitlich flankiert von meistens symmetrisch angeordneten Obereckblumen.



sandl

Sandl

 

Ochsengalle

Malt oder zeichnet man mit wässrigen Farbmitteln wie Tinte oder Tusche auf Glas, das nicht absolut sauber ist, kann es passieren, dass der Strich nicht durchgehend stehen bleibt, er zu Flecken oder Perlen zusammenläuft. Das lässt sich vermeiden, wenn man einige Spritzer Ochsengalle auf das vorher gewaschene Glas gibt und es mit einem Papiertuch abreibt.

 

Pinsel

Wie bei kaum einer anderen Maltechnik ist man bei der Hinterglasmalerei von einem breiten Sortiment hervorragender Pinsel abhängig. Vor allem beim Riss lassen sich manche Muster nur mit einem sehr guten Pinsel ausführen. Hierfür braucht man Exemplare, die eine exakte Spitze bilden. Für das Aufmalen der Ölfarbe verwendet man dagegen gerne Pinsel mit stumpf geschnittener Spitze, sie ergeben einen breitflächigeren Aufstrich.

Für feines Arbeiten eigenen sich am besten die sogenannten Rotmarder-Kolinsky Pinsel. Dazu werden die Haare vom Schweif des in Sibirien und China lebenden Zobel Kolinsky verarbeitet, mit besonders kräftigen und wertvollem Haar.

Frühere Miniaturmaler benutzten als feinsten Pinsel eine Schnepfenfeder.

 

Riss

Bezeichnet feine Kontur- und Umrisslinien.

Früher wurden sie Mit Hausenblasenleim oder mit Gimmi Arbicum und Pigment, heutzutage werden sie mit wässriger Dispersion oder Acrylfarbe als erstes aufgetragen. Von Hausierern von Hof zu Hof vertriebene Kupferstiche waren das Vorlagenmaterial für Risse.



riss

Riss

 

Verderber, Johann

In Außergefild im Bayrischen Wald stand die "Bilderfabrik" des Johann Verderber. Überliefert und bekannt wurde der Arbeitsablauf dieser Werkstatt durch die Beschreibung des Geschichtenerzählers Johann Messner in seinem 1856 erschienen Buch "Hantierer im Böhmerwalde". Er schreibt: "Die Bildlfabrik des Herrn Verderber ist so eingerichtet, dass, wenn ein Besucher bei der Türe der Anstalt eintritt, wo die leeren Ausschusstafeln aus- und die bemalten und berahmten Bilder eingepackt werden, er zuerst von den Rahmenmachern kommt, von denen er, fortgehend von einem zum anderen Künstler zum anderen, das Wachsen und gedeihen des Bilder verfolgen kann, bis er ohne anzuhalten wieder zugleich mit dem vollendeten Gemälde an der Türe ankommt." Bis hierher entspricht die Erzählung sicher genau seinen Beobachtungen, während der folgende Teil von seiner Phantasie erheiternde und ausschmückende Details erfahren haben dürfte. Da hieß es: "Einer oder mehrere haben die grüne Farbe auf die Ritterstiefel, einige die auf das Gras und die Bäume, einige die auf die Helmfedern, andere die rote zu den Backen, andere zu den Mänteln, andere zu den blutenden Wundden usw. Einige malen blos Augen, einige malen blos Nasenlöcher, andere Finger, andere haare, manche Ohren, manche Heiligenscheine usw., jeder hat sein Fach." Erwähnenswert ist dieser Bericht deshalb, weil gerade seine Übertreibungen immer wieder nacherzählt und geglaubt werden.

 

Vergoldung

Schon immer sind die Begriffe Hinterglasbild und Vergoldung eng miteinender verknüpft. Die frühesten Bilder hinter Glas waren Goldradierungen. Im Mittelalter waren die mit hauchdünnen Lasuren gemalten Bilder gänzlich mit Blattgold hinterlegt, das den Bildern eine strenge Feierlichkeit verlieh. Später beschränkte sich die Vergoldung auf einzelne Bildteile, die besonders hervorgehoben werden sollten. Bei der volkstümlichen Malerei waren es vor allem die Attribute der Heiligen, der Nimbus und der metallenen Teil des Gewands wie Helme, Waffen oder Schmuck, die mit Blattgold belegt waren. Zur flächigen Vergoldung verwendet man Blattgold oder Legierungen aus Messing oder Kupfer, dem sogenannten Schlagmetall oder Kompositionsgold.

Die feinen Linien wurden mit Gold oder Silberbronze aufgemalt.

Zur Vergoldung auf Glas greift man auf die sogenannte Ölvergoldung zurück. Damit das Gold auf dam Glas haftet, müssen die Flächen, die vergoldet werden sollen, vorher mit dem entsprechenden Klebemittel eingestrichen werden. Dies ist ein Anlegeöl, das sogenannte Mixtion. Zur Verarbeitung des echten Blattgoldes oder Silber lässt man ein Blatt auf das sogenannte Vergolderkissen gleiten und zerteilt es mit einem Vergoldermesser auf die gewünschten Größen. Zum Übertragen auf das Glas benötigt man einen Aschießerpinsel, das ist ein sehr dünner Flachpinsel mit einer Reihe langer Fehhaare die von einer Kartonzwinge gehalten werden. Der Anschießer wird leicht verfettet, indem man ihn mit einer Hand an der Kartonzwinge fasst und ihn über Wange oder Haare streicht, während die andere Hand flach über den Pinselhaaren liegt und sie andrückt. Nun legt man den Anschießer über das Goldblättchen, dies wird magnetisch angezogen, es wird zur Glasplatte geführt und in die vorher mit Mixtion eingestrichene, aber nur noch leicht klebrig anfühlende Fläche gelegt. Mit einem stumpfen, fülligen Haarpinsel wird das Gold angestupft und überstehende Metallteilchen abgekehrt. An der Stelle von Mixtion wurde verschiedentlich auch Eiweiß verwendet.

 

Volkskunst

Die einfachen Leute versuchten mit ihren Mitteln ein wenig von der Pracht des Adels in ihre Behausungen zu holen. Zu einer allgemeinen Bilderfreudigkeit kam, bestärkt durch die Gegenreformation, der Wunsch, Abbildungen der helfenden und schützenden Heiligen nicht nur in der Kirche vor sich zu haben, sie sollten in der eigenen Stube allgegenwärtig sein. Die ländliche Bevölkerung dachte schon immer sehr praktisch. Der hauptsächliche Anlass, eine Darstellung hinter Glas zu wählen, lag wohl darin, dass die Beleuchtung in den Stuben in diesen Zeiten aus Kienspan und Unschlittkerzen bestand, die jede Abbildung verrusste. Die Glasoberfläche mußte nur abgewischt werden und hing danach wie neu in leuchtenden Farben an den dunklen Wänden.

Von Augsburg aus wurde in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts in verschiedenen Orten des Allgäus und Oberbayern die Hinterglasmalerei angeregt.

Im bayerischen Oberland sind es die um den Staffelsee liegenden Orte Uffing, Seehausen und Murnau sowie das nahegelegene Oberammergau, die durch verwandtschaftliche und geschäftliche Beziehungen zur Hinterglasmalerei kamen. Der bestehende Hausierhandel konnte den Vertrieb der gemalten Tafeln übernehmen. Die größte Menge Bilder wurde aber um die Glashütten in den Waldgebieten von Schlesien bis Oberösterreich erzeugt. Durch den Hausierhandel verbreiteten sich die Bilder bis in die Länder der Donaumonarchie und regten die Entstehung einer eigenständigen Hinterglasmalerei an.

 

 

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