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Welt am DrahtIm Institut für Kybernetik und Zukunftsforschung können mit dem Computer Simulacron politische, gesellschaftliche und ökonomische Vorgänge der Zukunft derart exakt simuliert werden, als fänden sie bereits heute statt. Der Protagonist Stiller fängt an, zu begreifen. Auch die Welt, in der er scheinbar real lebt, ist nur das Simulationsmodell eines anderen Computers. Diese Erkenntnis macht Stiller gefährlich. Man will ihn verhaften, er flieht. Er trifft Eva, die ihn liebt ...

Dies ist der Anfang einer Inhaltsangabe des Fernsehfilms "Welt am Draht" von Rainer Werner Fassbinder aus dem Jahr 1973. Gefunden im Internet, im Jahr 2002.

Der Titel "Welt am Draht" hat etwas wunderbar Modern- anachronistisches. Die Welt komplett vernetzt im Informationszeitalter. An einem Draht! Nicht an Glasfaserkabel, Transponder oder blue tooth, sondern an einem Draht!

Als ich gefragt wurde, einen Beitrag für das Internetkunstprojekt netzpflege — wie sagt man eigentlich — zu verfassen, bereitzustellen, zu programmieren, zu hängen (wohl eher nicht), zu hosten (he-he), war ich etwas ratlos. Was ist Internetkunst? Interessiert mich das? Gibt es Internetkunst überhaupt? Es muss sie wohl geben. Vermute ich jedenfalls.

Die — ach diese schönen Begriffe — Community besteht aus uns allen, und so habe ich stellvertretend Menschen aus meiner Umgebung gefragt, ob sie etwas zu sagen haben. Irgendetwas, mit dem sie sich beschäftigen, was über ein berufliches und freizeitliches Interesse hinausgeht. Etwas, was mich interessiert und was andere interessieren könnte. Nicht "es wächst zusammen, was zusammen gehört" , sondern, "es gehört zusammen, was ich für richtig halte". Ein feuilltonistisches Internetforum? Eher ein Portal für den biologisch- malenden wissensbegierigen sardischen (Anti-) Feudalisten. Und im Idealfall für ein paar mehr.

Am Start von welt-am-draht.net sind fünf Themen. Ich hoffe, dass es nicht dabei bleibt, Anregungen, Vorschläge sind herzlich willkommen. Bleibt es bei den fünfen, ist es auch kein Beinbruch. Irgendwann Aufnahme zu finden im Museum entschwundener Webseiten (www.archive.org) wäre auch nicht schlecht.

Mein Dank gilt denen, die die Energie hatten, meine unausgegorenen Gedanken nachzuvollziehen und sich die Mühe gemacht haben, einen Beitrag zu verfassen: Anna Caria, Fride Wirtl-Walser, Dr. Harald Wozniewski, Prof. Dr. Urs Wyss. Und natürlich meinem Freund Hauke Harder, der die Programmierung und Administration des Projekts übernommen hat, sowie Daniel Goffin für den Entwurf des Logos.

Ich wurde mehrfach gefragt, ob das nun Kunst sei. Sicher bin ich mir nicht. Aber was vielleicht nicht ist, kann vielleicht noch werden. Ich wünsche viel Vergnügen!

Stephan Ullmann


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