Etwas für Sprachliebhaber
Es gibt auch unter den romanischen Sprachen einige "Exoten", die nur wenige Leute kennen und noch weniger sprechen. Eine von diesen Sprachen ist Sardisch.
Sprachliebhabern möchte ich eine Auswahl an sardischen Sprichwörtern und Redewendungen vorstellen, die gleichzeitig die traditionelle Weisheit der alten Generationen näher bringen können.
Die Auswahl erfolgte nach meinem persönlichen Geschmack und erstreckt sich über die verschiedensten Themen.
Hier sind sie, natürlich ins Deutsch übersetzt:
Über die Freunschaft
- "De milli amigos, non sinde incontrat unu fidele." Unter tausend Freunden findet man keinen treuen.
- "Mezus unu bonu amigu, qui unu malu maridu." Besser ein guter Freund, als ein schlechter Ehemann.
- "De amigos est bonu a ndhaer finzas in domu de su diaulu." Es ist gut, Freunde sogar im Haus des Teufels zu haben.
- "Mutos de cara, non perdent amistade." Ins Gesicht ausgesprochene Worte lassen keine Freundschaft verlieren.
Über die Liebe:
- "Amore et tussiu non si podent cuare." Liebe und Husten kann man nicht leugnen (verstecken).
- "Belosus ses, corrudus moris." Bist du eifersüchtig, stirbst du gehörnt.
- "Dugna matta inflorit foras que su figu. Pro partiri non morit narat su diciu antigu." Jeder Baum blutet, ausser der Feigenbaum - wegen eines Abschieds stirbt man nicht, sagt eine alte Redewendung. Es wird benutzt, um die Frau zu trösten, wenn der Verlobte das Zuhause verlässt.
Über Erfolg und Misserfolg
- "Qui andat et torrat bonu viaggiu faghet." Wer fortfährt und zurückkommt, hat eine gute Reise gemacht. Es bedeutet: er hat sein Ziel nicht erreicht, ist aber gesund nach Hause zurückgekehrt.
Über die Familie / die Gesellschaft
- "Un anzone guastat totu su masone." Ein schlechtes Schaf verdirbt die ganze Herde.
- "Qui istat bene non si movat." Wem es gut geht, soll sich nicht bewegen
- "Fagher comente faghent in Bosa. Quando pioet, laxant pioere." Machen, so wie sie es in Bosa machen: wenn es regnet, lassen sie es regnen. Das heißt: es ist ganz einfach und natürlich eine Sache zu machen oder eine Lösung zu finden.
- "Su diaulu faghet padeddas et non semper cobertores." Der Teufel macht die Töpfe, aber nicht immer die Deckel.
- "Su bisonzu faghet sa bezza a currer." Die Not bringt die Alte zum Laufen.
- "Faeddare pagu sabidoria meda." Wer wenig spricht, weiß viel.
- "Sa gattu saccuat, sa coa ddi parit." Die Katze versteckt sich, ihr Schwanz ist zu sehen. Das heißt: wenn jemand etwas Schlechtes macht, hinterlässt er Spuren.
- "In divinu et in humanu, si ad vinti non est galanu, si ad trinta non hat scientia, ad baranta non hat prudentia, ad quimbanta no est devotu, s homine est perdidu in totu." Der Mann (in göttlichen oder menschlichen Angelegenheiten) wenn mit zwanzig nicht charmant, mit dreißig nicht weise, mit vierzig nicht vernünftig und mit fünfzig nicht endlich gläubig ist, ist definitiv verloren.
- "Laxare que maccarrones senza casu." Die Maccheroni ohne Käse lassen.Wenn jemand plötzlich ohne Worte ist.
Über das Geld:
- "Sattu pro su pische shat bendidu sa binza." Die Katze hat für den Fisch ihr Weingut verkauft. Das sagt man über jemanden, der gierig ist.
- "Senza dinari non si cantat missa." Ohne Geld zelebriert man keine Messe. Ohne Geld macht man nichts.
- "Nasciu cum dentis, morit cum cascialis." Geboren mit Zähnen, gestorben mit Backenzähnen. Das heißt: Reich geboren, arm gestorben.
Über die Gesundheit:
- "Saranzu su manzanu estoro, su mesu die meighina, su nocte es velenu." Orangen sind morgens wie Gold, mittags wie Medizin, nachts wie Gift.
- "Ruiu que chibuddone." Rot wie eine dicke Zwiebel. Es bezeichnet einen roten, gesunden und schönen Mann.
Über die Erziehung:
- "Sarvure adderectala dai minore, da qui faghet nodu non adderectat plus." Das Wachstum des Baumes muss rechtzeitig korrigiert werden. Wenn die Äste kommen, kann man ihn nicht mehr korrigieren.
Über den Glauben:
- "Deus tancat unu balcone, et aberit una janna." Gott schliesst ein Fenster und öffnet eine Tür. (Über die Vorsehung Gottes.)
Über das Glück und das Unglück:
- "Quandi benit su bentu si leat." Wenn der Wind kommt, soll man ihn nehmen. Wind bedeutet hier Glück, glückliche Strähne.
- "Bidere et non toccare, faghet pianghere et suspirare." Sehen und nicht anfassen, ist wie weinen und seufzen.
- "Bhant semenadu su sale." Da wurde Salz gesät.(Über unfruchtbare Sachen.)
Über die Gastfreundschaft:
- "Bucconi partiu, sangelu si ci sezzit." Bei einem geteilten Häppchen, sitzt der Engel.
- "Ad sistranzu non labbaide sa bertula." Auf die Tasche des Gastes wirft man keinen Blick. Redewendung über die sardische Gastfreundschaft. Man achte nie darauf, ob der Gast etwas mitbringt.
- "Sa domu est minore, su coru est mannu." Das Haus ist klein, das Herz ist groß. Sehr alte sardische Redewendung, die die Gastfreundschaft der Sarden duch ihr großes Herz zeigt.
Über die Arbeit:
- "Quie bene cominzat, mezus accabat." Wer gut anfängt, hat schon die Hälfte der Arbeit hinter sich.
- "Quie male cominzat, pejus accabat." Wer schlecht anfängt, beendet die Arbeit noch schlechter.
Über die Frauen:
- "Lune non penetrat sa femmina, mancu su diaulu." Wo die Frau nicht hinkommt, kommt sogar der Teufel nicht hin.
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