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Wissensmanagement |
Stephan Ullmann |
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Der Begriff Wissensmanagement (knowledge management) war Ende der neunziger Jahre in vielen Unternehmen das Schlagwort schlechthin. Ansätze zum Wissensmanagement gab es viele, alle waren begeistert ("Hurra, wir machen Wissensmanagement"). Häufig waren die Ergebnisse enttäuschend, zumindest ernüchternd: ein verwaistes Intranet, Datenbestände in riesigen Mengen, die nicht gepflegt werden. Weil sie vielleicht doch nicht so interessant sind. Praktische Umsetzung scheiterte oft genug an den eigenen Ansprüchen. Was Sie hier finden, ist als kleine Einführung in das Thema gedacht, mit der Klärung wichtiger Begriffe. Benötigen Sie mehr Informationen, schauen Sie sich im Internet um. Oder Sie kaufen sich ein gutes altes Buch. Eine Literaturliste finden Sie unten. Irgendwo las ich von "brainware anstatt software". Soll heißen: Der Entscheidende Prozess beim Wissensmanagement findet im Kopf der Menschen statt und nicht auf der Festplatte von Rechnern. Auch wenn das manche nicht glauben |
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Data MiningDas Finden von Daten in Datenbanken.
DatenRohmaterial von Information, manchmal Fakten ohne Wert, oftmals nur Bits und Bytes
DatenqualitätDaten veralten sehr schnell und werden damit zur Scheininformation. Es sollte immer gewährleistet sein, auf dem letzten Stand der Dinge zu sein.
EffizienzWissenstransfer sollte schnell, umfassend und kostengünstig innerhalb einer Organisation abgewickelt werden.
E-LearningWird oft im Zusammenhang mit Wissensmanagement genannt. Hierunter versteht man ein Lernen am Bildschirm mit Hilfe entsprechender Programme.
ErkenntnisErfahrungen sammeln, um das Urteilsvermögen zu verbessern und in der Zukunft bessere Entscheidungen treffen zu können.
Erfahrung(s. Erkenntnis)
FluktuationBei großer Mitarbeiterfluktuation kann ein Wissensmanagementprojekt dazu führen, dass zunächst implizites Wissen als explizites Wissen in der Organisation verbleibt.
Gelbe SeitenEin einfaches aber wirkungsvolles Instrument. Hier kann innerhalb einer Firma nachgeschlagen werden, wenn für ein Projekt ein Experte gesucht wird. Beispiel:
Der eigentliche Weitergabe von Wissen an eine andere Person erfolgt dann im persönlichen Kontakt.
InformationsmanagementInformationsmanagement im eigentlichen Sinne ist die zielgerichtete und ökonomische Bewirtschaftung des Produktionsfaktors Wissen in Organisationen.
InformationsmarketingDas Ziel ist das Erreichen von Mehrwert durch nutzeradäquate Bereitstellung von Informationsdienstleistungen in einer Organisation.
InformationsmüllEine große Plage im Informationszeitalter. Daten müssen gepflegt werden, über einen längeren Zeitraum unbenutzte und überflüssige Daten sollten gelöscht, respektive in ein (eventuell elektronisches) Archiv übergeben werden.
IntegrationWissensmanagement sollte als selbstverständlicher Bestandteil in Arbeitsprozesse integriert sein. Dies fördert die Akzeptanz in Unternehmen.
KaffeekücheEin Ort von nicht zu unterschätzender Wichtigkeit für den Informationsaustausch. Hier fließt das Wissen zwischen Personen besonders gut und lässt sich verknüpfen. Ein Vorgang, der sich organisatorisch kaum beeinflussen lässt.
Knowledge CommunityTeilhaber an einem Wissensmanagementprojekt. Knowledge Communities ermöglichen den Austausch von Wissen unabhängig von Ort und Zeit. Sie bieten im Idealfall ein Motivations- und Qualitätssicherungssystem für den Wissensaustausch im Unternehmen.
KodifizierungsstrategieWichtigstes Werkzeug bei dieser Strategie ist der Rechner, kodifiziertes Wissen wird mit seiner Hilfe gespeichert und so für die Mitglieder einer Community zugänglich gemacht. (s. auch Personifizierungsstrategie)
KulturEine der wichtigsten Voraussetzungen für Wissensmanagement - und gleichzeitig die am schwierigsten zu erreichende - ist es, im Unternehmen eine Kultur der Wissensteilung zu schaffen. Wissensträger bzw. Informationsträger neigen oft dazu sich unentbehrlich zu machen, indem sie ihr Wissen als privates Wissen (s. unten) bei sich behalten und es nicht als explizites Wissen (s. unten) weitergeben. Man muss klarmachen, dass der, der Wissen bereitstellt auch etwas dafür bekommt. Sei es neues Wissen oder andere, beispielsweise finanzielle Vorteile.
LiteraturAmelingmeyer, Jenny. Wissensmanagement. Analyse und Gestaltung der Wissensbasis von Unternehmen. Deutscher Universitätsverlag, Wiesbaden 2000 Bürgel, Hans D. (Herausgeber). Wissensmanagement. Schritte zum intelligenten Unternehmen. Springer, Berlin 1997 Dehnbostel, Peter und Dybowski, Gisela. Lernen, Wissensmanagement und berufliche Bildung. Bertelsmann, Bielefeld 2000 Götz, Klaus (Herausgeber). Wissensmanagement. Zwischen Wissen und Nichtwissen, Managementkonzepte. Hampp, Mering 2000 Güldenberg, Stefan. Wissensmanagement und Wissenscontrolling in lernenden Organisationen. Ein systemtheoretischer Ansatz. Deutscher Universitätsverlag, Wiesbaden 1998 Herbst, Dieter. Erfolgsfaktor Wissensmanagement. Das professionelle 1x1. Cornelsen, Berlin 2000 Mandl, Heinz und Reinmann-Rothmeier, Gabi. Wissensmanagement. Informationszuwachs - Wissenschwund? Die strategische Bedeutung des Wissensmanagements. Oldenbourg, München 2000 Petkoff, Boris. Wissensmanagement. Von der computerzentrierten zur anwenderorientierten Kommunikationstechnologie. Addison-Wesley, München 1998. Probst, Gilbert; Raub, Steffen; Romhard Kai. Wissen Managen. Frankfurter Allgemeine Zeitung, Frankfurt/Main 1999 Schütt, Peter. Wissensmanagement. Mehrwert durch Wissen. Falken, Niedernhausen 2000
MessbarkeitWissen zu messen ist gehört zu den schwierigen Problemstellungen. Man schätzt, dass drei Viertel des Wissens in Organisationen als implizites Wissen in den Köpfen der Mitarbeiter vorliegt. Wie sich der Einsatz von Wissensmanagement in der Bilanz eines Unternehmens (außer als Kostenfaktor) niederschlägt, ist ebenso ungelöst. Dies ist vielleicht einer der Hauptgründe für eine allgemeine Ernüchterung auf diesem Gebiet.
Modell [Probst/Rauch/Romhardt]
1 welches Wissen ist bereits vorhanden
Nielsen, Jakob"Knowing about a system is a one-way street. One cannot go back to knowing nothing." [Usability Engineering, 1994]
PersonifizierungsstrategieDas Wissen bleibt eng an Personen gebunden, es wird im Wesentlichen durch persönliche Gespräche weitergegeben. Der Rechner dient hier zum Wissensaustausch, nicht aber zur Wissensspeicherung. (s. auch Kodifizierungsstrategie)
Popper, Karl Raimund"Sicheres Wissen ist uns versagt. Unser Wissen ist ein kritisches Raten; ein Netz von Hypothesen; ein Gewebe von Vermutungen." [Alles Leben ist Problemlösen, 1994] Nach Popper existiert nur vorläufiges Wissen, es kann nie absolut wahr sein, es wird immer aus Hypothesen und Vermutungen bestehen. Wissen ist relativ in Bezug auf ein bestimmtes System. Es kann sich in der Praxis als wertvoll erweisen und wird dadurch bewahrenswert. Absolut wahr ist es deswegen noch lange nicht. (s. auch Wittgenstein, Ludwig)
PopularisierungWissensmanagement popularisiert Wissen, es enteignet Wissen von einzelnen Personen und gibt es an eine größeren Gruppe weiter
PersonifizierungsstrategieDas Wissen bleibt eng an Personen gebunden, es wird im Wesentlichen durch persönliche Gespräche weitergegeben. Der Rechner dient hier zum Wissensaustausch, nicht aber zur Wissensspeicherung. (s. auch Kodifizierungsstrategie)
PraxisEine wesentliche Forderung an ein effizientes Wissensmanagement: pragmatisch und einfach nutzbar. Sogenannte gelbe Seiten (s. oben) sind oft hilfreicher als der Einsatz komplexer Software.
ProduktionsfaktorHeute, da Wissen das wesentliche Rohmaterial und das Ergebnis wirtschaftlichen Handelns darstellen, ist die kollektive Intelligenz - intelligente Menschen, die auf intelligente Art und Weise komplexe Probleme lösen - mehr als ein Erfolgsfaktor. [Th. A. Stewart]
Single Point of StorageInformation sollten nicht redundant, sondern nur einmal an einer Stelle abgelegt sein, um dann von vielen verschiedenen Stellen abgerufen werden zu können. Dies erleichtert natürlich die Pflege der Daten ungemein und verhindert Datenmüll.
StellenwertIn der heutigen Informations- bzw. Wissensgesellschaft ist das Management von Wissen zu einer Schlüsselqualifikation geworden, um dauerhaft wettbewerbsfähig zu blieben. Wenn es gelingt, die wirtschaftlich relevanten Unterschiede in Informations- und Wissensstand zu nutzen, der hat einen Wettbewerbsvorteil. [ILOI-Studie Knowledge Management] Nach einer Studie des Fraunhofer Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation bei 300 Unternehmen halten rund 96 Prozent die Thematik für wichtig, jedoch nur jedes fünfte Unternehmen hält die Nutzung der eigenen intellektuellen Werte für gut. Fast 2/3 der Unternehmen glauben, mit Hilfe von Wissensmanagement die Qualität ihrer Produkte zu erhöhen, die Kundennähe zu verbessern und ihre Innovationsfähigkeit zu steigern.
SoftwareAuf diesem Markt tummelt sich eine große Anzahl von Anbietern, die versprechen, die perfekte Wissensmanagement-Software anzubieten. Kaufen, implementieren, einsetzen. Dies ist ein völlig überzogenes Versprechen. Aus meine Erfahrung gibt es Programme, die bestimmte Prozesse des Wissensmanagements sehr gut unterstützen. Aber auch hier gilt: mit der Einführung einer suboptimalen Software ist es nicht getan. (s. Kultur)
Visionen und WirklichkeitOft sehr ernüchternd. (s. Einführung)
von Pierer, Heinrich"Wenn Siemens wüsste, was Siemens weiß"
WebDie rasante Entwicklung der Webtechnologien hat dazu geführt, dass nahezu alle tools in Sachen Wissensmanagement "web-enabled" ausgelegt sind. Zur Informationsbereitstellung muss nicht mehr die Arbeitsumgebung gewechselt werden, der Anwender kann alle Operationen im Browser durchführen. Der Browser wird immer mehr zur Standardbenutzeroberfläche des Clients im Alltag und wird Stück für Stück immer mehr Programme verdrängen.
WissenWissen existiert nur im Zusammenhang mit denkenden Menschen. Wenn aus Information Wissen werden soll, muss ein Mensch die Verknüpfung zwischen Information herstellen und daraus Wissen generieren. "Wissen ist die einzige Ressource, welche sich durch den Gebrauch vermehrt." [Probst/Raub/Romhardt]
Wissen, explizitAuf Medien gespeichertes Wissen
Wissen, implizitIn den Köpfen von Menschen gespeichertes Wissen
Wissen, kollektivesFür eine Personengruppe oder eine gesamte Organisation verfügbares Wissen
Wissen, privatAuf eine Person beschränktes Wissen
Wissen, strukturiertIn Datenbanken gespeichertes Wissen
WissensinselnIn einzelnen Bereichen, Abteilungen der Organisation vorhandenes Wissen, das aber untereinander nicht in Beziehung steht.
WissenslandkarteDarstellung des abgelegten Wissens in einer Organisation in Text und/oder Bildformat.
WissensmaklerPerson in einer Organisation, deren Aufgabe es ist, Information und Wissen für alle Mitglieder der Organisation aufzubereiten und in adäquater Weise zugänglich zu machen.
WissensmanagementDie effiziente Nutzung der Ressource Wissen mit dem Ziel, diese für die Erreichbarkeit von Organisationszielen einzusetzen.
Wittgenstein, Ludwig"6.36311 Daß die Sonne morgen aufgehen wird, ist eine Hypothese; und das heißt: wir wissen nicht, ob sie aufgehen wird." [Tractatus logico-philosophicus, 1933]
WorkflowDie Automation strukturierter Arbeitsprozesse durch Verknüpfung einzelner Arbeitsschritte. Dient der Effizienzsteigerung.
ZahlenLaut einer Studie gehen den 500 größten Unternehmen der Welt jährlich 24 Mrd. Dollar verloren, weil sie Wissen nicht oder nicht richtig nutzen. In drei Jahren soll dieser Verlust auf 31 Mrd. Dollar wachsen [Dieter Herbst] Ein Mitarbeiter wendet einer Studie zufolge durchschnittlich 35% seiner Arbeitszeit dafür auf, das im Unternehmen vorhandene Wissen zu finden. [Dieter Herbst] Wissen befindet sich in einem Unternehmen zu 42% in den Köpfen der Mitarbeiter, zu 26% in Papierdokumenten, zu 20% in elektronischen Dokumenten, zu 12% in elektronischen Wissensdatenbanken. [Probst/Raub/Romhardt]
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