welt am Draht
Räuber und Parasiten     Prof. Dr. Urs Wyss

Biologische Schädlingsbekämpfung am Beispiel von Blattläusen


Alternative Maßnahmen zur chemischen Bekämpfung von Planzenschädlingen, vornehmlich Insekten und Milben, gewinnen immer mehr an Bedeutung, nicht allein aufgrund eines wachsenden Umweltbewusstseins. Zahlreiche Schädlinge, vor allem solche mit schnellen Generationsfolgen, können innerhalb kurzer Zeit Resistenzen gegenüber chemischen Wirkstoffen entwickeln und sind somit kaum mehr mit anderen Mitteln als mit ihren natürlichen Feinden bekämpfbar. Weiterhin werden die Zulassungsbedingungen für chemische Wirkstoffe durch die straffe Gesetzgebung zunehmend erschwert.

Mit der vorliegenden, bebilderten Abhandlung zum Thema ‚Biologische Bekämpfung am Beispiel von Blattläusen’ wird keine umfassende Darstellung angestrebt. Vielmehr soll das Interesse für die natürlichen Feinde dieser wirtschaftlich wichtigen Schädlinge geweckt werden. Allgemein bekannt als Blattlausvertilger sind die Marienkäfer, teilweise auch die Larven der Schlupfwespen und Florfliegen. Sie werden als Räuber bezeichnet, die für ihre Entwicklung mehrere hundert Blattläuse verzehren müssen. Parasiten (Parasitoide) der Blattläuse sind die weniger bekannten Schlupfwespen, welche für ihre Entwicklung nur eine einzige Blattlaus benötigen. Da jedoch ein einziges Schlupfwespenweibchen mehrere hundert Blattläuse parasitiert, sind Schlupfwespen als Blattlausfeinde ebenso effektiv wie die Räuber.

Am Institut für Phytopathologie der Universität Kiel werden derzeit in der entomologischen Arbeitsgruppe Videofilme über das Verhalten der Räuber und Schlupfwespen hergestellt und vorerst im Rahmen spezieller Anlässe (z.B. Tag der offenen Tür) einer breiteren Öffentlichkeit vorgestellt. Es liegt im Interesse der Arbeitsgruppe, die Filme soweit zu verfeinern, dass sie in Fernsehsendungen zum Thema ‚Biologische Schädlingsbekämpfung’ erscheinen und auch generell in der Lehre eingesetzt werden. Es hat sich gezeigt, dass der Bedarf für solche Filme außerordentlich groß ist.

Für die biologische Bekämpfung der Blattläuse im Freiland gibt es außer der bewußten Schonung ihrer natürlichen Gegenspieler noch kein erfolgversprechendes Rezept. Es ist aber zu erwarten, dass sich Ergebnisse aus der Grundlagenforschung irgendwann auch in die Paxis übertragen lassen. Bereits sehr gut etabliert ist die biologische Bekämpfung der Blattläuse wie auch anderer Pflanzenschädlinge in den geschlossenen Räumen von Gewächshäusern, weil sich dort die Umweltfaktoren für einen erfolgreichen Einsatz der natürlichen Feinde regulieren lassen. In mehreren Ländern, speziell in den Niederlanden, werden Gewächshausschädlinge fast nur noch mit Hilfe ihrer natürlichen Feinde bekämpft, vor allem deshalb, weil die Schädlinge ihnen gegenüber keine Resistezen entwickeln können. Auch zahlreiche Botanische Gärten, darunter der in Kiel, setzen seit einigen Jahren mit zunehmendem Erfolg nur noch natürliche Gegenspieler zur Bekämpfung der Schädlinge ein. Die Nachfrage nach diesen Nützlingen steigt zunehmend, so dass sich inzwischen zahlreiche Unternehmen für ihre Massenproduktion und ihren Vertrieb an den Verbraucher etabliert haben. Zuletzt sei noch darauf hingewiesen, dass sich die im Freiland sehr wirksamen Blattlausantagonisten wie Marienkäfer und Schwebfliegenlarven im Gewächshaus nicht so gut eignen wie Larven der Florfliegen und speziell einer hier nicht behandelten räuberischen Gallmücke (Aphidoletes aphidimyza). Immer mehr an Gewicht als effektive Blattlausantagonisten im Gewächshaus gewinnen die Schlupfwespen, nicht zuletzt auch deshalb, weil sich hier neue Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung zum Orientierungsverhalten und Lernvermögen dieser Antagonisten in die Praxis übertragen lassen.



Große Getreideblattlaus    
Marienkäfer    
Florfliegen    
Schwebfliegen    
Blattlausschlupfwespe Aphidius uzbekistanicus    
Blattlausschlupfwespe Aphelinus abdominalis    
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